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Max Prugger

Ein Mann will nach oben

Türme, Hochhäuser, Flugzeuge – 60 Jahre lang fotografierte Max Prugger seine Heimatstadt aus der Luft
Süddeutsche Zeitung 17. Juli 2002
Ein Artikel von Anne Goebel

mit Eigenbaukamera 2Neulich hat Herr Prugger ein Wirtshaus entdeckt. Es nennt sich „Zum runden Eck", und der Schweinsbraten, sagt er, sei da immer so schön frisch. Das „Runde Eck" liegt im Süd-Center, einer tristen Geschäftsanlage am Stadtrand. Eigentlich keine Gegend für Spaziergänge, und Herr Prugger kann sich auch nicht entsinnen, wie's kam, dass er plötzlich vor dem "Runden Eck" stand. Andererseits, irgendwann musste er das Lokal mal bemerken. Es ist nämlich keine 50 Meter entfernt von seinem Haus in Obersendling, das Herr Prugger seit 30 Jahren bewohnt. Doch statt auf das Naheliegende zu schauen, macht er lieber Ausfüge, die weit hinauf gehen. "Droben", sagt Herr Prugger, wenn ihn jemand fragt, wo er sich am wohlsten fühlt.

 

Max Prugger, Luftbildunternehmen, Kistlerhofstraße 171.
Ein Besuch an einem Sommervormittag. Luftbildunternehmen, wo er doch ein Ein-Mann-Betrieb sei – darüber hätten sie sich manchmal lustig gemacht, seine Frau, als sie noch lebte, und die Kinder, wird Max Prugger später erzählen. Aber jetzt ist. erstmal keine Zeit für Anekdoten.


mit EigenbaukameraHerr Prugger empfängt den Besuch im winzigen Windfang seines Vorstadt Häuschens und geht zügig voran, das heißt, so zügig er kann, die Hüfte macht nicht mehr richtig mit. An der Wand hängen sorgsam beschriftete Nahaufnahmen vom verkraterten Mond und von zigfach vergrößerten Sandkörnern, riesenhafte Apparaturen mit angeschraubten Fernrohren verstellen wie Urtier-Skelette auf staksigen Beinen den Weg. "Obacht", sagt Herr Prugger und dreht sich um mit einem schiefen Lächeln, das entschuldigend aussieht und auch ein bisschen spöttisch, weil er errät, dass man nichts anzufangen weiß mit all der Gerätschaft. Im Wohnzimmer liegt auf dem Couchtisch fürs Interview eine Schreibunterlage bereit. Sieht aus, als ob es losgehen könnte.

 

Er fliegt also tatsächlich noch, lässt sich in einer dieser windigen Kisten hoch über die Stadt tragen, um sich dann mit der Kamera aus dem Fenster zu hängen, er, mit seinen 84 Jahren, dazu die kaputte Hüfte? Prugger ignoriert die Frage, zückt ein Lämpchen und lässt einen roten Lichtpunkt über das Alpenpanorama-Foto an der Wand flackern, Ortler, sagt er leise. Wendelstein. Karwendel. Auf der Tapete, neben einem braunmelierten Kunstledertäschchen mit Aufschrift „Brillengarage" verharrt das Licht. "Da", sagt Prugger lächelnd, „wär die Zugspitze." Dann ist es still, und wir verstehen, dass man hier nicht einfach so mit der Tür ins Haus fallen kann. Ist ja verständlich, wenn's um die Liebe geht, die ganz große. Prugger, in kariertem Hemd und schlackernder Hose, bestimmt also das Tempo. Und erzählt, von seinem Leben als kleiner Buchhalter und seiner großen Sehnsucht nach den Sternen.

L185 026

Hinauf, weit hinauf hat es ihn gedrängt seit er denken kann. Als er noch nicht selbst auf- steigen konnte mit der Cessna, die ihn an schönen Tagen in den Himmel über München trägt, hat er, der Haidhauser Bub, wenigstens geguckt. Stundenlang hatte er Mond und Sterne im Visier, durch sein erstes Fernrohr, gebastelt aus den Brillengläsern der Mutter, durch die altertümliche Fotoapparatur des Vaters und irgendwann durch die Linse der ersehnten eigenen Kamera. Das Himmelsgucken war willkommene Zerstreuung in der "unmöglichen Zeit der Hitlerei", als Beruf kam die Spinnerei des Heranwachsenden "für das ganze Optische" nicht in Frage. Prugger wird brav Anwaltsgehilfe, erledigt täglich akkurat die Buchhaltung einer Speditionsfirma. Und steigt hinauf. Morgens, vor Dienstbeginn, abends und am Wochenende klettert Herr Prugger auf alle verfügbaren Türme der Stadt. "Ich hab rauf müssen, immer wieder", sagt er und lächelt sein kleines schiefes Lächeln. Müllersches Volksbad, Mariahilfkirche, Giesinger Kirche, Hochhaus Blumenstraße, Gasheizwerk, bald kennt er jede noch so Schwindel erregende Treppe, die nach oben führt. Der Fotoapparat ist immer dabei, unzählige Male lichtet Prugger die Alpenkette ab und die Stadt, die sich zu seinen Füßen ausbreitet. Nach dem Krieg sind es die Wunden. die klaffenden Lücken, die er dokumentiert.

Versuch mit Hubschrauber

Und weil er die Straßen und Plätze von noch weiter oben sehen will, weil's endlich himmelwärts gehen soll, besteigt Prugger eines Tages Anfang der Sechziger ein Flugzeug. Einmotorige Cessna, Start auf dem Flughafen Oberwiesenfeld. „Testflug", sagt Prugger, und seine Augen leuchten in Erinnerung an den großen Tag, „um zu schauen, ob ich speiben muss." Er speibt nicht, was auch kaum zu erwarten gewesen ist bei einem wie ihm, der auf der Wiesn verrückt war nach den wüsten Runden in der "Wilden Maus", in die er sogar mal seine Frau reingebracht habe, aber nur einmal. Prugger also bleibt auch in 4000 Metern über Normal Null fidel. Stürme, Turbulenzen, freier Fall, mit den Jahren hat er viel erlebt, aber nie Angst gehabt. „Wenn die andern grün werden, ess ich meine Brezn", sagt er. Und: "Oben blieben ist noch keiner." Es beginnen die schönen Jahre der Fliegerei. in denen sie „droben" sind, so oft es geht, er und seine Hasselblad, die punktscharfe Bilder liefert, wie er sie von einer Kamera verlangt. Bei guter Fernsicht schnappt sich Prugger einen freien Piloten und „wir schrauben uns rauf in unserer Krähe". Krähe, so nennt Prugger die Cessna, und der Blick aus seinen blaugrünen Augen wird dann ganz weich.

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Steilaufnahme vom Rathaus! In Schräglage kreist man über dem Marienplatz. Olympia-Bauarbeiten in den Siebzigern? Prugger nimmt das Fundament des Olympiaturms auf, ein Bild übrigens, das neulich jemand vom Olympiapark bei ihm angefordert habe, „weil's nimmer wissen, wie's gebaut haben damals". Eröffnung der Fußgängerzone'! Prugger ist vor Ort, will sagen oben drüber und fotografiert die Menschentrauben, die durch die Bauklötzchen-Stadt wuseln. 1972 war das, damals konnte er bereits leben von den Fotoflügen, die Familie ernähren als „Luftbildunternehmer Max Prugger". Für das städtische Archiv dokumentiert er 1980 das ganze Stadtgebiet, Firmen bestellen Fotos für Broschüren, Kunden vom Starnberger See ordern Luftbilder ihrer Villen. 20 000 Fotos sind katalogisiert, gemacht, schätzt er, „hab ich zweihunderttausend". Bodenaufnahmen nicht mitgerechnet, die mit Hilfe der ausladenden Fernrohr-Konstrukte angefertigten Bilder des Andromedanebels oder des Kometen Hale-Bopp, "Ich schau halt gern sowas an", sagt Prugger und erzählt, jetzt wieder mit ganz leiser Stimme, wie seine Frau ihn oft schier vom Fernrohr habe wegziehen müssen. Hast nicht genug gesehen, du kennst ihn doch schon, den Mond, habe sie geschimpft. Und die Wirtin vom „Bunden Eck", die zufällig gegenüber wohnt, habe ihn beim ersten Mal begrüßt, Sie sind doch der, der nachts mit dem Fernrohr im Garten steht.

MP29

Sehnsucht nach Weite, Flucht aus der Enge der Welt – ist er deshalb ein Himmelsgucker? Einer, der auch mit 84 das Fliegen nicht sein lassen kann, und wenn sie ihn, weil die Hüfte schmerzt, im Liegen in die Krähe hieven? Sehnsucht, so würde er das nicht nennen, „die Fotos müssen schon was einbringen", sagt Prugger, der Buchhalter. Dann zeigt er auf das prächtige Alpen-Foto über dem Sofa, und jetzt braucht er kein Lichtsignal und will auch keine Namen deklamieren. Wie Inseln ragten die Berggipfel aus dem Wolkenmeer, sagt Prugger, und wie wunderbar das anzusehen sei. „Ich nehm nicht nur meine Augen mit nach oben, sondern auch das Herz."

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